Projektbericht „Kultur- und Medienwerkstatt ‚Kult.Crew‘“ 2023/2024

 

Das Projekt fand vom 26.04.2023 bis zum 29.02.2024 statt. Von Juni 2023 bis Februar gab es offene Werkstatttage immer freitags von 16:00 – 19:00 Uhr im Jugendzentrum Underground in Dahlbruch sowie thematische Workshops im Rahmen der Sommerferien und an Wochenenden. Das Projekt wurde um 2 Monate verlängert, weil ein wichtiger Projektbestandteil im Rahmen einer geplanten Eröffnung stattfinden sollte.

Das Team bestand aus einem geringfügig Beschäftigten im Midijob im Umfang von 12 Wochenstunden und einem Studierenden der Medienwissenschaften als Honorarkraft. Zusätzlich wurden Referent:innen und Kulturschaffende für Workshops engagiert.

Das Kult.Crew-Projekt zählte insgesamt 17 regelmäßige Teilnehmer:innen, davon fünf weibliche, zehn männliche und zwei divers-geschlechtliche Personen zwischen 11 und 24 Jahren aus verschiedenen Sozial- und Bildungsschichten mit und ohne Einwanderungsgeschichte. Die Jugendlichen kamen mehrheitlich aus Hilchenbach, Dahlbruch, Netphen und aus dem Raum Siegen. Regelmäßig konnten acht Jugendliche erreicht werden.

 

Projektablauf:

 

Es wurden verschiedene Formate von unterschiedlicher Dauer angeboten wie beispielsweise ein- und mehrtägige Workshops oder regelmäßige Werkstattrunden im Jugendzentrum. Die Arbeitsweise während dieser Treffen lief strukturell zumeist ähnlich ab: Ankommen, Austausch über persönliche Ereignisse und Erlebnisse, eine gemeinsame Runde Kicker, Billard oder Mario-Kart an der Nintendo Switch, dann Start ins Projekt.

 

In Abhängigkeit von den Projektinhalten, hatten die Teilnehmenden die Möglichkeit ihre kreative Seite auszuleben und zu entdecken. Sie konnten sich in die Welt der Fantasie stürzen und Storyboards oder Songkonzepte entwickeln. Unterstützt von den Mitarbeitenden konnte das Wissen und Können mit einer Vielzahl von Geräten wie Kameras, Mikrofonen, Mischpulten, Plattenspielern und MIDI-Eingängen unter Beweis gestellt werden. Im Laufe des Projektes und mit steigenden Kompetenzen konnten die Teilnehmer:innen mit Anleitung sogar professionelle Audio- und Videobearbeitungssoftware bedienen (z.B.  BlackmagicDesign DaVinci Resolve im für Videoschnitt, ImageLine FL Studio in der Producer-Edition für Audio und Canva für Grafikbearbeitung). Dabei erreichten sie auf ganz individuellen Pfaden aber sehr selbständig ihre gewünschten Ziele.

 

Im Videobereich gab es mehrere Workshops zum Experimentieren. Ein Workshop in den Sommerferien 2023 beschäftigte sich mit der Erstellung von Minifilmen zu selbstgewählten Themen. So dokumentieren zwei Jugendliche den Weg in die Jugendeinrichtung. Unter anderen wurde gemeinsam mit einem Videodesigner verschiedene Setting im Greenscreen-Szenario gedreht. Dabei produzierten die Teilnehmenden eine eigene Nachrichtensendung, diese wurde dann auch nachvertont und Spezial-Effekten hinterlegt.

Künstlerische Aneignung erfolgte auch im Rahmen des Medienkulturwochenendes beim Foto- und Kunstworkshop. Die Teilnehmenden hatten viel Spaß beim Lightpainting mit Langzeitbelichtungen, wo sie im dunklen Jugendzentrum mit Licht malen konnten. Beim Foto- und Collagen-Workshop mit der Jugendkunstschule konnten Jugendliche ihre Lebenswelt fotografieren und mit der Collagentechnik neu zusammenkleben. Dabei verarbeiteten sie aktuelle Geschehnisse auf künstlerische Art und Weise. Partyfeeling war der Techno-Producing Workshop angesagt, der sich an junge Erwachsene richtete. Gemeinsam mit einem bekannten DJ aus Siegen bekamen die Teilnehmenden einen Einblick, wie man Technobeats produziert und ein ansprechendes Set zusammenstellt.

Bei den Videostreifzügen ging es um die konkrete Lebenswelt. Dabei wurde z.B. ein Ausflug in eine Schreinerei und der Möbelbau filmisch begleitet. Im Rahmen dieser Workshops konnten die Teilnehmenden verschiedene Einstellungen einüben und etwas über Kameratechnik lernen.  Außerdem wurde die Baustelle des neuen Jugendzentrums besucht und für die Eröffnung Anfang 2024 eine Videoinstallation geplant.

Neben den Workshops bezog sich das Projekt auch oft auf den Umgang mit dem Equipment. Neben der eigenständigen Inhalte-Erstellung hatten die Teilnehmer auch Raum, sich über ihre eigenen kulturell-künstlerischen Interessen, im Bereich von Musik, Film, Kunst oder Medien auszutauschen. Dabei wurden Plattformen wie YouTube oder TikTok genutzt, um Inhalte vorzustellen oder zu diskutieren.

 

Erfolge des Kult.Crew Projekts

 

Das Kult.Crew Projekt bot Jugendlichen die Möglichkeit, sich kostenlos an einem breiten Spektrum der Kunst-, Kultur- und Medienwelt auszuprobieren. Über verschiedenste Medien wie Fotografie, Bildbearbeitung und Grafikdesign, über Musikherstellung im elektronischen Bereich bis hin zu Videoproduktion und Sounddesign konnten sie vom Konsumieren von Inhalten zum Erschaffen eigener, kreativer Produktionen gelangen und sich neue kulturelle Kontexte erschließen.

 

In den Workshops gab es viele Gelegenheiten zum Experimentieren und es sind viele tolle Filmclips und Medieninhalte entstanden. Besonders diese Ergebnisse machten wiederum andere Jugendliche neugierig, selbsttätig zu werden und sich auszuprobieren. Teilweise nebenbei erwarben die Teilnehmenden neue Kompetenzen und Fähigkeiten und lernten voneinander.

 

Durch die Streifzüge und die Einbeziehung des Sozialraums ist es teilweise gelungen, neue Orte kennenzulernen und an dort Erwartungen und Wünsche zu formulieren.

 

 

 

 

Abweichungen und Fazit:

 

Insgesamt kann man von einem erfolgreichen Projekt im Hinblick auf die Förderung der kulturellen Bildung sprechen. Allerdings konnten Teile des Projektes nicht so durchgeführt bzw. verwirklicht werden, wie geplant, sondern mussten angepasst werden. Dies trübte die Projektstimmung des Teams teilweise stark und zerrte an den Nerven.

 

Die Medienkulturwoche und drei Workshops sollten eigentlich im Rahmen einer großen Eröffnungsfeier eines Jugendzentrums im August 2023 stattfinden. Aufgrund von drei Verschiebungen im Bauprozess (Anfang Dezember 2023, Ende Februar 2024) war das leider nicht im geplanten Sinne möglich.

 

Betroffen von den Verschiebungen waren insbesondere die Videoworkshops. Die Inhalte sollten als Fassadenvideoprojektion am neuen Gebäude ausgestellt werden und zur Eröffnung dann in einem Event mit einer Videoinstallation gipfeln. Dazu wurde gemeinsam mit den Jugendlichen sehr viel vorbereitet und organisiert. Bis zur Fertigstellung dieses Projektabschussberichts konnte kein Einzug stattfinden und die Medienkulturwoche mit großem Finale, trotz der zweimonatigen Verlängerung des Projekts nicht wie geplant an einem Stück stattfinden. Auch die Ausstellung der Fotos und Collagen konnte aus diesem Grund nicht stattfinden. Die eingeplanten Mittel wurden deshalb auch nicht ausgegeben.

 

Aufgrund dieser Erschwernis sah sich das Projektteam gezwungen, das geplante Angebot abzuändern, bzw. zeitlich aufzufächern, sodass die Durchführung der verschiedenen Workshops über ein halbes Jahr verteilt stattfinden und die „Medienkulturwoche“ auf ein „Medienkulturwochende“ reduziert werden musste, unter Einbuße des geplanten Hip-Hop-Instrumental-Workshops und des Tanz-Workshops. Auch die Videoperformance konnte nicht umgesetzt werden, wobei die Produktion für diese bereits angelaufen, aber noch nicht in Gänze fertiggestellt werden konnte, weil auch hier zumindest teilweise das Betreten des neuen Jugendzentrums notwendig wäre.

 

Das Projektteam wird irgendwie versuchen, die Inhalte und Ergebnisse zu präsentieren, damit die Teilnehmenden auch ein verspätetes Erfolgserlebnis bekommen.

 

Wir bedanken uns für die Förderung und die entsprechende Verlängerung.

 

Heike Kühn und Maximilian Langenbeck, 28.03.2024